StVO einfach erklärt: Grundregel § 1 und die Begriffe Fahrbahn, Fahrstreifen, Seitenstreifen
- Fahr mit Vorsicht und Rücksicht, damit du niemanden schädigst oder gefährdest.
- Mit deinem Auto musst du die Fahrbahn benutzen. Auf ihr liegen die Fahrstreifen.
- Der Seitenstreifen gehört nicht zur Fahrbahn, auch wenn er befestigt ist.
- Fahr möglichst weit rechts. Für mehrere Fahrstreifen gibt es bestimmte Ausnahmen.
- Fährst du entlang von Gleisen, lässt du die Schienenbahn soweit möglich durchfahren.
Kann eine Fahrbahn mehrere Fahrstreifen haben, obwohl keine Linien aufgemalt sind?
Die Straße ist breit, rechts liegt ein befestigter Streifen, in der Mitte fehlen Linien. Wo darfst du fahren?
Was verlangt die Grundregel von dir?
Stell dir vor, vor dir fährt jemand unsicher und bremst überraschend. Du bleibst aufmerksam und gibst ihm Raum. Auch Fehler anderer dürfen dich nicht zu gefährlichem Verhalten verleiten.
Die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) beginnt mit ständiger Vorsicht und gegenseitiger Rücksicht. Das gilt für alle, die am Verkehr teilnehmen, auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad.
Ein Schaden wäre ein zerkratztes Auto. Eine Gefährdung entsteht etwa, wenn du so knapp daran vorbeifährst, dass ein Zusammenstoß droht. Auch ohne Unfall kann dein Verhalten verboten sein.
Beispiel: Eine Hecke verdeckt dir die Sicht. Du wartest, bis du sicher weiterfahren kannst. Diese Behinderung der Wartenden hinter dir kann unvermeidbar sein. Lass dich nicht in eine unsichere Lücke drängen.
Eine Belästigung kann unnötiger Lärm sein, etwa wenn du aus Ungeduld den Motor aufheulen lässt. Vermeide solche Störungen, soweit die Umstände es zulassen.
Vor dir fährt jemand unsicher. Was passt zur Grundregel?
Was gehört zur Fahrbahn?
Fahrzeuge müssen die Fahrbahn benutzen, also auch dein Auto. Neben der Fahrbahn können etwa Gehwege und Seitenstreifen liegen.
Auch ohne Mittellinie fährst du rechts und lässt dem entgegenkommenden Auto Platz. Ob ein Fahrstreifen vorhanden ist, hängt vom benötigten Platz ab.
Ein Seitenstreifen liegt neben der Fahrbahn und gehört nicht zu ihr. Eine glatte Asphaltfläche rechts wird dadurch nicht zu einem zusätzlichen Fahrstreifen für dich.
Anders ist es nur, wenn das Zeichen „Seitenstreifen befahren“ steht. Es gibt den Seitenstreifen als Fahrstreifen frei. Dann befährst du ihn wie einen rechten Fahrstreifen.

„Seitenstreifen nicht mehr befahren“ hebt die Freigabe wieder auf. Bei „Seitenstreifen räumen“ musst du den Seitenstreifen verlassen.
Hat eine Straße zwei getrennte Fahrbahnen, benutzt du die rechte. Auf dieser Fahrbahn können wiederum mehrere Fahrstreifen für deine Richtung liegen.
Rechts neben der Fahrbahn liegt ein befestigter Seitenstreifen. Gehört er zur Fahrbahn?
Wie weit rechts musst du fahren?
Die Straße vor dir ist leer. Trotzdem gilt das Rechtsfahrgebot: Fahr möglichst weit rechts. Es setzt keinen Gegenverkehr voraus.
Die Regel gilt auch beim Überholtwerden, an Kuppen, in Kurven und bei schlechter Übersicht. Gerätst du zu weit nach links, bleibt dem Gegenverkehr weniger Platz. Fahre dabei so, dass du niemanden gefährdest.
Missachtest du das Rechtsfahrgebot bei Gegenverkehr, beim Überholtwerden, an Kuppen, in Kurven oder bei schlechter Übersicht und gefährdest dadurch jemanden, beträgt der Regelsatz 80 Euro. Dazu kommt 1 Punkt.
Fahrtipp: Stehen rechts Autos, lass Platz zu ihnen, ohne den Gegenverkehr zu gefährden. Möglichst weit rechts zu fahren heißt nicht, gefährlich dicht an Hindernissen vorbeizufahren.
Wann darfst du einen anderen Fahrstreifen wählen?
Bei mehreren Fahrstreifen für deine Richtung gibt es Ausnahmen:
- Mit einem Kraftfahrzeug darfst du vom Rechtsfahrgebot abweichen, wenn die Verkehrsdichte das rechtfertigt.
- Innerorts darfst du mit einem Kraftfahrzeug bis zu 3,5 t zulässiger Gesamtmasse den Fahrstreifen frei wählen. Dafür müssen mehrere Fahrstreifen für deine Richtung mit Leitlinien oder einseitigen Fahrstreifenbegrenzungen markiert sein. Diese freie Wahl gilt nicht auf Autobahnen. Wo sie innerorts erlaubt ist, darfst du auch rechts schneller als links fahren.
- Außerorts dürfen Kraftfahrzeuge bei drei mit Leitlinien markierten Fahrstreifen für eine Richtung den mittleren durchgängig befahren. Das gilt dort, wo rechts davon auch nur hin und wieder ein Fahrzeug hält oder fährt.
Die zulässige Gesamtmasse ist das erlaubte Höchstgewicht des Fahrzeugs. Entscheidend ist diese Grenze, nicht, wie wenig das Auto gerade wiegt.
Bei mehr als drei so markierten Fahrstreifen gilt diese Ausnahme außerorts für den zweiten von rechts. Sie erlaubt dir nicht, bei dauerhaft freiem rechten Fahrstreifen grundlos mittig zu bleiben.
Beispiel: Du fährst außerorts mit dem Auto auf drei durch Leitlinien markierten Fahrstreifen für deine Richtung. Rechts fahren in Abständen Lastwagen. Dort darfst du auf dem mittleren bleiben.
Außerorts gilt für den linken Fahrstreifen eine Grenze: Lastkraftwagen über 3,5 t zulässiger Gesamtmasse und alle Kraftfahrzeuge mit Anhänger dürfen ihn nur benutzen, wenn sie sich dort zum Linksabbiegen einordnen.
Haben sich auf den Fahrstreifen für eine Richtung Fahrzeugschlangen gebildet, darfst du ebenfalls rechts schneller als links fahren. Wann du rechts überholen darfst, lernst du in der Lektion Überholen.
Innerorts, keine Autobahn: Dein Auto hat 3,5 t zulässige Gesamtmasse. Zwei Fahrstreifen für deine Richtung sind durch eine Leitlinie getrennt. Es ist wenig Verkehr. Was darfst du?
Was sagen die Linien auf der Fahrbahn?
Für die freie Fahrstreifenwahl musst du die Leitlinie und die einseitige Fahrstreifenbegrenzung erkennen. Eine durchgehende Linie allein erfüllt diese Bedingung nicht.

Bei der einseitigen Begrenzung liegen eine unterbrochene und eine durchgehende Linie nebeneinander. Welche Seite du überfahren darfst, erklärt die Lektion Markierungen und Verkehrseinrichtungen.
Die Leitlinie besteht aus Strichen mit Lücken dazwischen, wie die gestrichelten Linien in den Straßenbildern. Du darfst sie nicht überfahren, wenn dadurch der Verkehr gefährdet wird.
Wie du sicher wechselst und dich bei einer Verengung einordnest, lernst du in Fahrstreifenwechsel und Reißverschlussverfahren.
Nur vorübergehend gültige Markierungen sind gelb. Sie heben dann die weißen auf. Die Beispiele dazu findest du unter Verkehrszeichen und Markierungen.
Sind alle Wege und Fahrstreifen für dein Auto da?
Rechts neben dir ist Platz, aber dort stehen die Zeichen „Radweg“ oder „Bussonderfahrstreifen“. Diese Flächen sind bestimmten Verkehrsarten vorbehalten.

Mit einem gewöhnlichen Auto darfst du dort nicht einfach weiterfahren. Beachte besondere Freigaben durch Zusatzzeichen. Dass der Bussonderfahrstreifen leer ist, reicht nicht.
Auch „Gehweg“, „Gemeinsamer Geh- und Radweg“ und „Getrennter Rad- und Gehweg“ kennzeichnen keine normalen Fahrstreifen für Autos.

Die Regeln auf diesen Wegen und bei besonderen Freigaben erklärt die Lektion Radverkehr.
Was gilt, wenn du entlang von Gleisen fährst?
Du fährst in Längsrichtung einer Schienenbahn, zum Beispiel einer Straßenbahn, also entlang ihrer Gleise. Dann musst du sie soweit möglich durchfahren lassen. Halte ihren Weg frei, wenn die Verkehrslage das erlaubt.
Du darfst dafür niemanden gefährden. Die Formulierung „soweit möglich“ verlangt, auf den verfügbaren Platz und die anderen Verkehrsteilnehmer zu achten.
Du kannst jetzt Fahrbahn, Fahrstreifen und Seitenstreifen unterscheiden. Als Nächstes übst du das Einordnen bei einer Verengung in der Lektion Fahrstreifenwechsel und Reißverschlussverfahren.
Die Verkehrszeichen dieser LektionDein Merkblatt zum Wiederholen: Form und Bedeutung, vor dem Quiz10










Deutsche Verkehrszeichen. Jedes ist in seiner Lektion im Kapitel 2 des Kurses erklärt.