Reaktionsweg berechnen: Formel, Reaktionszeit und Schrecksekunde
Hör dir die Zusammenfassung der Lektion an· 2:17
- Der Reaktionsweg ist die Strecke, die dein Auto vom Erkennen der Gefahr bis zum Bremsbeginn zurücklegt.
- Faustformel: Geschwindigkeit in km/h geteilt durch 10, das Ergebnis mal 3. So erhältst du den Reaktionsweg in Metern.
- Bei 50 km/h sind das etwa 15 Meter, bei 100 km/h etwa 30 Meter. Beim Reaktionsweg heißt doppelt so schnell doppelt so weit.
- Die Faustformel rechnet mit einer Reaktionszeit von etwa einer Sekunde. Im Alltag heißt diese Zeit oft Schrecksekunde.
- Alkohol, Drogen, Medikamente, Müdigkeit und Ablenkung können deine körperlichen Fähigkeiten einschränken. Reagierst du dadurch später, wird der Reaktionsweg länger.
Unten rechnest du Schritt für Schritt, findest eine fertige Tabelle und siehst die Strecken im Maßstab.
Das Auto vor dir bremst, doch dein Fuß ist noch auf dem Gas. Bis du selbst bremst, fährt dein Auto weiter.
Was passiert, bevor du bremst?
Stell dir vor, vor dir leuchten plötzlich die Bremslichter auf. Du bemerkst die Gefahr und reagierst darauf. Erst dann beginnt deine Bremsung.
Schau auf die Positionen im Bild: Das Auto ist zweimal gezeichnet, blass dort, wo du die Gefahr erkennst, und kräftig dort, wo du zu bremsen beginnst.
Merk dir eine Frage: Bremst das Auto schon? Solange die Antwort Nein lautet, zählt die gefahrene Strecke zum Reaktionsweg. Er endet genau dort, wo deine Bremsung beginnt.
Du erkennst eine Gefahr und beginnst danach zu bremsen. Wo endet der Reaktionsweg?
Wie berechnest du den Reaktionsweg?
Den Reaktionsweg kannst du mit einer Faustformel schätzen. Du lernst sie in der Fahrschule. Die Faustformel ist keine Verkehrsregel, sondern eine Schätzhilfe.
Beispiel 1: Du fährst 50 km/h. 50 geteilt durch 10 ergibt 5. 5 mal 3 ergibt 15. Dein Reaktionsweg beträgt also etwa 15 Meter.
Beispiel 2: Du fährst 100 km/h. 100 geteilt durch 10 ergibt 10. 10 mal 3 ergibt 30. Dein Reaktionsweg beträgt also etwa 30 Meter.
Bei glatten Zehnerzahlen ist das Teilen durch 10 ganz leicht: Du streichst einfach die letzte Null. Aus 70 wird 7, aus 100 wird 10, aus 130 wird 13. Danach rechnest du nur noch mal 3.
Beispiel 3: Du fährst 130 km/h. 130 geteilt durch 10 ergibt 13. 13 mal 3 ergibt 39. Dein Reaktionsweg beträgt also etwa 39 Meter.
Du rechnest nicht gern im Kopf? Dann schau in die Tabelle. Mal 3 heißt: die Zahl dreimal addieren, zum Beispiel 8 + 8 + 8 = 24.
In der letzten Spalte steht die Strecke in Autolängen. Als Maß dient ein Auto von etwa 4,5 Metern Länge.
| Geschwindigkeit | Geteilt durch 10 | Mal 3: Reaktionsweg | Ungefähr so lang wie |
|---|---|---|---|
| 30 km/h | 3 | etwa 9 m | etwa 2 Autolängen |
| 50 km/h | 5 | etwa 15 m | gut 3 Autolängen |
| 60 km/h | 6 | etwa 18 m | etwa 4 Autolängen |
| 70 km/h | 7 | etwa 21 m | knapp 5 Autolängen |
| 80 km/h | 8 | etwa 24 m | gut 5 Autolängen |
| 100 km/h | 10 | etwa 30 m | knapp 7 Autolängen |
| 120 km/h | 12 | etwa 36 m | etwa 8 Autolängen |
| 130 km/h | 13 | etwa 39 m | knapp 9 Autolängen |
Ein Ball rollt auf die Straße, und du fährst 30 km/h. Bis dein Fuß auf der Bremse steht, bist du schon etwa 9 Meter gefahren.
Fällt dir etwas auf? 60 km/h ist doppelt so schnell wie 30 km/h, und 18 Meter sind doppelt so viel wie 9 Meter. Beim Reaktionsweg gilt: doppelt so schnell, doppelt so weit. Das gilt nur für den Reaktionsweg.
Du fährst doppelt so schnell wie vorher. Was passiert nach der Faustformel mit deinem Reaktionsweg?
Ein Beispiel von der Landstraße: Leitpfosten am Straßenrand stehen in der Regel 50 Meter auseinander, in Kurven enger. Bei 100 km/h fährst du mehr als die halbe Strecke zwischen zwei Leitpfosten, bevor du überhaupt bremst.
Der berechnete Reaktionsweg ist ein Schätzwert, kein genauer Messwert. Die Faustformel rundet leicht auf: In genau einer Sekunde fährst du etwas weniger weit.
Du fährst 90 km/h. Wie lang ist dein Reaktionsweg nach der Faustformel?
Was hat die Schrecksekunde damit zu tun?
Die Zeit vom Erkennen einer Gefahr bis zum Bremsbeginn heißt Reaktionszeit. Im Alltag sagt man dazu oft Schrecksekunde. Im Gesetz steht dieses Wort nicht.
In dieser Zeit musst du zuerst die Gefahr bemerken und begreifen. Dann nimmst du den Fuß vom Gas und setzt ihn auf die Bremse. Dein Auto fährt dabei ungebremst weiter.
Die Faustformel rechnet mit etwa einer Sekunde. Brauchst du länger, wird dein Reaktionsweg entsprechend länger. Bei doppelter Reaktionszeit ist er doppelt so lang.
Was verkürzt deinen Reaktionsweg?
Was kann deine Reaktion verzögern?
Stell dir vor, du suchst während der Fahrt etwas im Handschuhfach. Solange dein Blick nicht auf der Straße ist, siehst du eine neue Gefahr nicht. Deine Reaktion beginnt erst, wenn du wieder hinschaust. Bis dahin fährt dein Auto ungebremst weiter.
Alkohol, Drogen, Medikamente, Müdigkeit und Ablenkung können deine körperlichen Fähigkeiten einschränken. Brauchst du dadurch länger, um zu reagieren, wird dein Reaktionsweg länger, als die Faustformel angibt.
Welche Promillegrenzen am Steuer gelten, lernst du in der Lektion Promillegrenze im Auto.
Du bist müde und abgelenkt. Was passiert mit deinem Reaktionsweg?
Schätze deine Konzentration und deinen Zustand vor jeder Fahrt ehrlich ein.
Stell Navi und Radio vor der Fahrt ein. Merkst du unterwegs, dass du dich kaum konzentrieren kannst, such dir eine sichere Gelegenheit für eine Pause.
Auch Sicht und Gehör zählen: Was du nicht siehst oder hörst, erkennst du später. Du bist dafür verantwortlich, dass Mitfahrer, Tiere, Ladung, Geräte oder der Zustand deines Autos sie nicht beeinträchtigen. Prüfe vor dem Losfahren zum Beispiel, ob Gepäck deine Sicht versperrt.
Nach dem Bremsbeginn folgt der Bremsweg, bis dein Auto steht. Wie beide Wege zusammenhängen und wie viel Abstand du brauchst, lernst du in der nächsten Lektion: Bremsweg, Anhalteweg und Sicherheitsabstand.